Presse

Hermann Götz (Falter 41, 4. Oktober 2014) 

FUCHURS WEITBLICK

25 Jahre Mezzanin Theater. Eine erstaunliche Off-Truppe feiert sich mit neuer Produktion …Begonnen hat alles Anfang der 1980er-Jahre. Bei einem Workshop des Theatermachers Gigi Tapella treffen sich Westphal und Kolbinger-Reiner, auch Ossi Weissensteiner (TaO!) ist mit von der Partie. Hanni Westphal, Tochter des Malers Ralf Westphal, über dessen Jugend im Krieg sie später das Stück „Ralf“ entwickelt, verschlug es der Liebe wegen nach Graz. Martina Kolbinger-Reiner hatte, bevor sie in die Stadt kam, schon in der Verfilmung der „Undendlichen Geschichte“ die Augenbraue der Drachen Fuchur bewegt und war als 19-Jährige an der Seite von Sigi Zimmerschied vor 1000 Leuten auf der Bühne gestanden. Vier Jahre lang trainiert die Gruppe intensiv mit Gigi Tapella. Und wird immer kleiner. Westphal: „ Im letzten Jahr waren wir nur noch fünf“ – das Gründungsteam des Mezzanin Theaters. Eine Zeit lang arbeiten sie noch mit Tapella, doch auch danach suchen Westphal und Kolbinger-Reiner die Kooperation mit anderen Theaterschaffenden. Dazu zählen etwa „Sando“-Regisseurin Annette Scheibler, der Schweizer Hanspeter Horner – unter anderem Regisseur des mit dem Theaterland-Steiermark-Preis ausgezeichneten „Prinzip Struwwelpeter“ -, die Darsteller und Theaterpädagogen Verena Kiegerl und Sebastian Mandla oder die Ausstatterin Corinna Schuster. Gemeinsam mit OFF-Szene-Kollegen wird 1999 die Plattform „Das andere Theater“ gegründet, bei Assitej Austria (Junges Theater Österreich) sitzen Westphal und Kolbinger-Reiner mehrere Jahre im Vorstand, in Kooperation mit dem TaO! veranstaltet das Mezzanin Theater alle zwei Jahre das Jugendtheaterfestival spleen-graz. Und das eigene Festival KuKuK tourt jedes Schuljahr durch die Steiermark. Mit den Schauspielern mit Behinderung der Gruppe KumEina von Jugend am Werk verbindet das Mezzanin Theater eine rund 20-jährige Zusammenarbeit – und eine oft enge persönliche Beziehung. „Tarte au Chocolat“, eine brillante Doppelconférence des KumEina-Darstellers Erwin Slepcevic mit seinem Onkel Jean-Paul Ledun, wird so zu einem Riesenerfolg. Rund 6000 Menschen hat das Mezzanin Theater 2013 erreicht, heuer werden es mehr sein, allein von Herbst 2014 bis Sommer 2015 wird man, Pardon, frau an die 100 Vorstellungen spielen. Bleibt zu wünschen, dass weiterhin genügend gute Themen im Mezzanin Theater haltmachen.

 


 

Elisabeth Willgruber-Spitz (Kleine Zeitung, Oktober 2014)

DAS MEZZANIN THEATER FEIERT “SILBERNE” UND SCHAFFT DIE 100 IN EINER PRALLEN SAISON.

Stolz präsentieren sie ihr zweites Spielzeitheft und das Programm vom im November in Wildon startenden, bereits 14. ländlichen Theaterfestival “KuKuK”. Auch das “spleen-graz”-Festival ist für 2016 wieder geplant, falls die öffentlichen Unterstützungen es vor einem Finanzsturz bewahren. Doch Hanni Westphal und Martina Kolbinger-Reiner zeigen sich bei der Programm-Präsentation zuversichtlich und erfreut: über die neue Homepage und über ihre “Silberne”. Denn die Gründerinnen des Mezzanin Theaters blicken auf 25 produktive Jahre zurück und starten mit geplanten 100 Aufführungen (Gastspiele exklusive) voller Elan in die kommende Saison samt zwei Uraufführungen.

 


 

Christoph Hartner (Kronenzeitung, 4. November 2014) 

Das Grazer Mezzanin Theater feiert seinen 25. Geburtstag:
DIE REALITÄT IST NICHT HARMLOS

Seit 25 Jahren machen Martina Kolbinger-Reiner und Hanni Westphal gemeinsame Sache. Zur „Silbernen“ ihres Mezzanin Theaters gibt es keine große Party, sondern mehr von dem, was es ausmacht: Gute Stücke für junges Publikum, in denen auch „Fremdartiges“ einen prominenten Platz auf der Bühne findet! „Kinder- und Jugendtheater“ – diesen Begriff mögen Martina Kolbinger-Reiner und Hanni Westphal nicht wirklich: Zu niedlich und harmlos klinge er. Seit mittlerweile 25 Jahren kämpft das Duo mit seinem Team darum, dass auch Theater für „junge Menschen und solche, die jung geblieben sind“, wie sie ihr Zielpublikum definieren, als Kunstform ernst genommen wird. „Wir waren unserer Zeit oft voraus“, konstatiert Kolbinger-Reiner. Für das Projekt „Fremd“ etwa haben sie bereits vor 20 Jahren elf Nationen in einem Steinbruch aufeinanderprallen lassen und so die Migrationsthematik in all ihrer Komplexität und Wildheit auf die Bühne gebracht. „Heute würden wir dafür wahrscheinlich Preise bekommen,damals gab es eher Ratlosigkeit“, kommentiert Hanni Westphal. Die Ehrungen sind im Laufe der Zeit dennoch gekommen:„bestOFFstyria“- Preis, „Stella“-Award, Bundesehrenzeichen. Es ist vor allem die Art und Weise, wie sie „Fremdartiges“ (oder das was als solches definiert wird) ganz selbstverständlich in ihre Produktionen einarbeiten, die das Mezzanin Theater zu etwas Besonderem macht. Aktuell etwa bringt Martina Kolbinger-Reiner gemeinsam mit Annegret Janisch, einer Schauspielerin mit Down Syndrom, eine Geschichte über Migration auf die Bühne. „Wir gehen immer davon aus, was uns unter den Nägeln brennt. Das kann hoch politisch sein, muss es aber nicht“, sagt Westphal. Aufgrund der aktuellen Situation in der Welt sei es aber durchaus eine Pflicht, junge Menschen im Theater zu politisieren. „Es ist auch wichtig, den Kindern etwas zuzumuten und ihnen nicht eine harmlose Realität vorzugaukeln“, so Kolbinger-Reiner. Mit diesem Zugang macht sich das Duo die Arbeit nicht immer leicht und es braucht teilweise gute Vermittlungs- und Überzeugungsarbeit: „Aber das macht man gerne, wenn man an die Qualität der Produktionen glaubt und weiß, dass darin wichtige Themen angesprochen werden“, so Westphal. Und der Erfolg gibt ihnen recht: Bis nach Korea haben sie ihre Gastspiele bereits geführt. Seit einigen Jahren veranstalten sie zudem auch das „KuKuK“-Festival, bei dem sie Produktionen für Kinder und Jugendliche in der ganzen Steiermark – von Öblarn bis Mureck – zeigen. Ein Ende der erfolgreichen „Bühnenehe“, der beiden ist also nicht in Sicht: „Wir funktionieren gut miteinander, weil wir die gleichen Ziele haben, aber uns auf dem Weg dorthin gegenseitig viel Freiraum lassen“, erklärt Kolbinger-Reiner das Erfolgsrezept.